Auf der großen Bühne: Salmrohrs neue Erinnerungen

Dingels: "Dafür spielen wir Fußball"

FSV Salmrohr

Zurück auf großer Bühne: FSV Salmrohr. imago images

Es war in der 89. Minute des Landespokalsfinale zwischen Salmrohr und der klassenhöheren TuS Koblenz, als der Oberligist die Führung zum 2:0 ausbaute und somit scheinbar den Deckel auf die Partie setzte. Doch in der Nachspielzeit erzielte zunächst Peter Schädler per Seitfallzieher den Anschlusstreffer, ehe Michael Dingels einen Foulelfmeter verwandelte und den FSV somit in die Verlängerung führte. Im anschließenden Elfmeterschießen konnte sich Salmrohr tatsächlich durchsetzen, den Landespokal gewinnen und in die erste Runde des DFB-Pokals einziehen. Nach dem Erfolg in einem dramatischen Finale haben "wir zwei Tage lang nur zusammen getrunken", wie Dingels im Interview mit "fussball.de" verriet.

"Bei Köln oder Mainz hätten wir sicher nicht Nein gesagt"

In der ersten Runde erwartet das Team von Trainer Lars Schäfer mit Holstein Kiel nicht unbedingt den Wunschgegner. Mittelfeldspieler Nico Toppmöller erklärte dem "Südwestrundfunk", dass ihm "die KSV von der Mannschaft her wirklich gut gefällt", der lange Anfahrtsweg für die Fans der Störche jedoch suboptimal sei. Auch Dingels hätte eher eine Mannschaft aus der Region präferiert: "Bei Köln oder Mainz hätten wir sicher nicht Nein gesagt. Die haben hier in der Gegend viele Fans. Der BVB und die Bayern wären auch hervorragende Lose gewesen. Aber die großen Vereine können halt nicht überall sein."

Neben "Auba"-Trikot ist noch Platz

Dennoch ist die Vorfreude auf das Spiel freilich groß, wie der Abwehrspieler einräumte: "Unser Stadion wird schön hergerichtet, das Fernsehen überträgt und wir spielen gegen Vollprofis. Das ist ein Traum. Dafür spielen wir Fußball." Anders als für den Großteil seiner Mannschaft, für die laut Schäfer "nur einmal so ein Spiel kommen wird", spielte Dingels bereits mit Trier im DFB-Pokal. 2016 empfing die Eintracht den späteren Pokalsieger Borussia Dortmund (0:3), dabei verteidigte der 33-Jährige gegen den jetzigen Arsenal-Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang: "Es war eine große Ehre für mich, gegen diese Mannschaft antreten zu dürfen. Schon nach zwei Minuten habe ich 'Auba' gefragt, ob ich sein Trikot haben könnte. Meine Mitspieler waren danach allesamt zu spät dran. Das Trikot hängt mittlerweile bei mir in der Garage und hat einen Ehrenplatz."

"Wir wollen die Sensation schaffen"

Daneben könnte bald schon ein weiteres Trikot hängen: "Nun werde ich schauen, gegen welchen Stürmer ich in erster Linie antrete. Möglicherweise ist es mein letztes Spiel im DFB-Pokal. Da hätte ich schon gerne das Trikot meines Gegenspielers. Grundsätzlich ist für uns Amateurspieler jedes Trikot etwas ganz Besonderes." Dennoch möchte der 33-Jährige auch sportlich den Profis durchaus Paroli bieten: "Wir wollen die Sensation schaffen und eine Runde weiterkommen. Wir wissen aber, dass wir dafür eine außergewöhnliche Leistung zeigen müssen." Der Trainer fordert indes, alles "aufzusaugen, zu genießen und Spaß zu haben".

Dorfverein in der 2. Liga

Unabhängig vom Endergebnis wird das Pokalspiel gegen Kiel die alten Erinnerungen an die Zweitliga-Saison wiederaufleben lassen. 1986 stieg Salmrohr in der Aufstiegsrunde gegen den SSV Ulm und die Offenbacher Kickers in die Zweitklassigkeit auf. In der folgenden Spielzeit trug unter anderem Kaiserslautern Rekordtorschütze Klaus Toppmöller, dessen Neffe Nico die Familientradition fortführt und aktuell ebenfalls bei Salmrohr spielt, und der fünfmalige deutsche Meister Wolfgang Kleff das Trikot des FSV. Was der ehemalige Torwart im Interview mit "Sport1" zum Zweitliga-Auftstieg sagte, könnte durchaus auch für den Pokaleinzug 2019 gelten: "Das war einmalig. Das war ja auch in aller Munde, dass so ein Dorfverein so weit kommt."

kon

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